Archiv für Juni 2009

Faschismus und Antifaschismus heute

Wie man die Neonazis kritisieren sollte
– und wie besser nicht


ACHTUNG: Die bereits angekündigte Veranstaltung zu Kuba wurde verschoben!!!

Eine Veranstaltung des Konvents der Fachschaften an der LMU München:
AK GegenArgumente
lädt ein zu Vortrag und Diskussion

Referent: Wolfgang Möhl
(Redakteur der Zeitschrift GegenStandpunkt)

Mittwoch, 01.07.09
19.00 Uhr
LMU München, Hauptgebäude, Geschwister-Scholl-Platz 1
Hörsaal B 201

Die Nationaldemokraten und ihr Anhang sind die bestgehasste politische Richtung im Land. Von konservativen Politikern wie Beckstein und Roland Koch bis zu linken Aktivisten ist man sich in ihrer Ablehnung absolut einig. Nicht so klar ist, warum. Denn die viel beschworene geistige Auseinandersetzung mit alten und neuen Nazis findet so gut wie nicht statt. Sie werden von den Behörden behindert, bespitzelt und am liebsten verboten– aber eigentlich nicht kritisiert. Man findet sie ungebildet, dumm, dumpf und versoffen – viel zu sehr unter Niveau, als dass es ihre Parolen verdienten, als politisches Programm zur Kenntnis genommen zu werden.

Bemüht sich doch einmal ein Sozialkundelehrer oder Landtagskandidat, den politischen Standpunkt der Rechtsradikalen zu charakterisieren, meint er, mit einer Abgrenzung, mit „Nicht-“ und „Un-“Auskünften seine kritische Schuldigkeit getan zu haben. Man erfährt, dass die Rechtsradikalen „un-demokratisch“, „un-europäisch“, gegen Ausländer, gegen Nato, gegen Globalisierung sind. Man bekommt gesagt, dass sie als Rassisten, als Anhänger der Volksgemeinschaft und des starken Staates verkehrte, ja verabscheuungswürdige Werte haben. Das wird schon so sein. Für eine Kritik ist das aber zu wenig. Kritik verlangt mehr als bloß die Abweichung von dem, was sich nach demokratischer Sitte gehört, zu benennen und zur Untat zu erklären. Nach der Methode haben seinerzeit auch die Nazis Abweichler „kritisiert“.

Was die ausgegrenzten radikalen Rechten denken und wollen, warum das alles so verkehrt ist – das aufzuklären gehört nicht zur üblichen politischen Auseinandersetzung mit ihnen. Fast steht im Verdacht, den Nationalsozialismus zu verharmlosen, wer sich daran macht, den politischen Standpunkt der extremen Rechten zu erklären und zu kritisieren. Diese Auseinandersetzung, die die offiziellen Meinungsbildner nicht führen können und nicht führen wollen, soll mit dem Vortrag und der Diskussion nachgeholt werden.

So viel vorweg: Wer die extremen Nationalisten kritisieren will, kommt nicht umhin, den alltäglichen Nationalismus der Demokratie zu kritisieren. Er ist nämlich der Boden, auf dem die Neonazis ihre Auseinandersetzung mit den Demokraten führen – und umgekehrt!