Schwarz-rot-goldene Imame

… oder: Der Umgang mit üblichen Verdächtigen

Als 2006 Innenminister Schäuble eine Islamkonferenz einberief, hatte er kein frommes Anliegen. Schließlich hatte er als Mann für die innere Ordnung Muslime ins Visier genommen, nicht, weil sie Suren beten und sich fünfmal täglich nach Osten verneigen, sondern weil er an seiner Vorstellung von einer Verbindung zwischen Koranschulen und staatsfeindlichem Denken festhält. Dass der weltweite Imperialismus, der die gewohnten Lebensverhältnisse samt islamischen Glauben sowie überhaupt das Überleben angreift, käme einem deutschen Politiker nie in den Sinn. Umgekehrt aber leuchtet ihm sofort ein, dass es am Islam, weil falsch verstanden, liegt, wenn „islamische Hassprediger“ Angriffe auf den westlichen Wertehimmel starten.

Militante Muslime sind sowieso im Fadenkreuz unserer Dienste und werden per Ausländerecht regulär rausgesäubert oder kriminalisiert, aber die Kindlein in der Schule, die müssen – das sagen unsere Islamexperten – vor falsch verstandener Exegese bewahrt werden. Also hin zur breiten „Kooperation“ mit „säkularen Moslems“, damit in den muslimischen Gemeinden der richtige Geist gepredigt wird. Schäubles Verdacht gegenüber Moslems, die in Deutschland lernen, arbeiten und beten, bezieht sich ganz fundamentalistisch auf den islamischen Glauben, von dem er sicher ist, dass er nicht zu uns passt, allein schon deswegen, weil Moscheen und Minarette nicht in deutsche Städte gehören.

Sicher ist, dass der Islam keinen staatsloyalen Beitrag zum deutschen Gemeinwesen liefert, so wie der Innenminister es von der katholischen und evangelischen Kirche in Deutschland kennt. So erfährt man, welche Funktion der Religions- und Meinungsfreiheit hier zukommt, wenn beim muslimischen Kult staatliche Kontrolle organisiert wird: Staatskonformismus als Gratisgabe beim Vaterunser, das wird man bei den fremden Religionsbrüdern doch auch implantieren können! Für den deutschen Staat geht die gläubige Schafsnatur so richtig dann in Ordnung, wenn der Gottesglaube als freiwillige Unterwerfung unter alle Ansprüche und Zumutungen, mit denen der Staat seinen Bürgern kommt, betätigt wird.

Also nimmt man sich das Personal vor, das in den islamischen Kultus einführt: Deutsche Islaminstitute an deutschen Universitäten sollen künftig dank Wissenschaftsministerin Schavan unsere nationalen und demokratischen Werte – nur hinter denen steht Gott! – mit der Einübung in den Koran kompatibel machen. Schließlich sind ca. 700.000 kleine Köpfe auszurichten und wir können jetzt schon sicher sein, dass dann die Worte Allahs auf Toleranz, Meinungsfreiheit und Liebe zu Deutschland rauslaufen – so steht es ja dann in den Lehrplänen, wenn hier die Ausbildungshoheit über die Muftis eingerichtet ist. „Die neue Deutung des Islam für die moderne Gesellschaft“ (Süddetutsche Zeitung, 1.2.10) ist dann didaktisch verbindlich aufbereitet. Der unausrottbare staatliche Zweifel bleibt freilich immer noch in der Welt, ob mit dieser neuen „Plattform für den interreligiösen Dialog“ mit den neuen verlässlichen Imamen auch wirklich jedes abweichende Denken fundamental ausgeräumt ist, ob alle Schäfchen den modernen Vorbetern auch folgen.

Der kontrollierten Einbindung fremder Sitten und Bräuche in den deutschen Amts- und Gebetsteppich ist auch zu entnehmen, wie heutzutage Integration gemeint ist. ‚Multi-kulti’ war noch nie eine aufgeklärte und unbefangene Stellung gegenüber Migranten, aber heutzutage ist selbst das passé. „Es ist nicht gut für die Integration, wenn Imame nur aus dem Ausland kommen“(Volker Beck von den Grünen). Gut für die Integration ist dagegen, wenn Muselmänner und –frauen im deutschen Kulturangebot aufgehen und als Zugereiste, also Fremde, im Sinne der geistigen Ordnungsfanatiker Deutschlands beten gelernt haben.

Die Toleranz und Integrationsleistung, die wir von Ausländern mit ihren fremden Glaubengebräuchen verlangen müssen, besteht darin, dass sie uns beweisen, dass die hundertfünfzig-prozentige Deutsche sind. Unsere Toleranz ihnen gegenüber besteht im beständigen Verdacht, dass sie das, was wir zurecht von ihnen fordern, nur halbherzig und unehrlich erfüllen, so dass ständige Kontrolle unsererseits angesagt ist. So ist dafür gesorgt, dass diese Integration, auf die deutsche Politiker die Anhänger Allahs festlegen, bestens damit zusammengeht, dass die deutsche Bevölkerung darin lauter Beweise für die von oben geschürte Fremdenfeindlichkeit bekommt.