Archiv für März 2010

Fortgesetzte Misshandlung

Das einzige Problem für Schüler in Deutschland: lüsterne und brutale Priester und Pädagogen |

Georg Ratzinger, der Bruder von Papst Benedikt XVI., hat mitten im Geschrei um die öffentliche Wahrnehmung zahlloser Fälle von Missbrauch und Misshandlung in kirchlichen Institutionen, für einen speziellen Aufreger gesorgt: Der langjährige Leiter der Regensburger Domspatzen räumte ein, während der Proben mit dem weltberühmten Knabenchor mit Ohrfeigen operiert zu haben. Er distanzierte sich jedoch vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte davon und betonte, er sei „innerlich erleichtert“ gewesen, als der Gesetzgeber 1980 körperliche Züchtigungen im Schulbereich ganz verboten habe. Er habe sich „striktissime“ an die neue Rechtslage gehalten.

Diese Reflexion wurde Ratzinger und seinem Milieu als höhere Stufe der Heuchelei ausgelegt. Ein frommer Mensch habe die Prügel-Praxis nicht ohne Druck des Gesetzgebers aufgeben können (?), zweifelte das „Neue Deutschland“ höhnisch und stellvertretend für alle, die die Schulreformen der 70er und 80er Jahre in Westdeutschland für einen – wenn auch späten – Fortschritt halten. (mehr…)

„Sozial ist, was in Arbeit bringt!“

Niedriglohn als Staatsprogramm
Klarstellungen zur öffentlichen Debatte über Hartz IVler und andere Sozialfälle mit und ohne Arbeit

Veranstaltung von Gegenstandpunkt Verlag München und Basis Buchhandlung München
Donnerstag, 18. März 2010, 19.30 Uhr
Max-Emanuel-Brauerei, München, Adalbertstraße 33

Referent: W. Möhl

Die Politik hat eine öffentliche Debatte über die Arbeitslosenverwaltung eröffnet: Hartz IV leiste nicht das, was es solle, nämlich durch „Fördern und Fordern“ Arbeitslose wieder in Arbeit zu bringen. Gemeinsam mit Westerwelle soll sich der arbeitende und steuerzahlende Bürger darüber erregen, dass der Staat mit Hartz IV-Geld für die Massen von Arbeitslosen, für die Unternehmen keine lohnende Verwendung haben, das Nichtstun fördert und so geradezu Arbeitslosigkeit als Dauerzustand produziert: Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu altrömischer Dekadenz ein.“ Das ist schon eine skandalöse Sicht der Dinge: Dass die Sozialkasse den Millionen dauerhaft aus Arbeit und Lohn Gefallenen gerade mal ein Notgeld für ein staatlich definiertes „soziokulturelles Existenzminimum“ zahlt – eine Einladung zur Dekadenz und Wohlstandsdenken? Nicht minder skandalös sind freilich die sozial gefärbten Einwände und Rechtfertigungen der Hartz IV-Leistungen, die dagegen laut geworden sind: „Der Sozialstaat ist Heimat“: 345 Euro und ein paar streng bemessene Zulagen, damit soll der Mensch in diesem Gemeinwesen aufgehoben und die „freie Entfaltung seiner Persönlichkeit“ (Prantl, SZ) gewährleistet sein? (mehr…)