Archiv für Juli 2012

Vom kapitalistischen Charakter des geistigen Eigentums

Vortrag und Diskussion

Referentin: Prof. Dr. Margaret Wirth

Donnerstag, 5. Juli 2012, 19.00 Uhr
LMU München, Hgb., Hörsaal M 114
Geschwister-Scholl-Platz 1
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„Die Kopfarbeiter sehen darauf, daß ihr Kopf sie ernährt. Ihr Kopf ernährt sie in unserer Zeit besser, wenn er für viele Schädliches ausheckt. Darum sagte MeTi von ihnen: Ihr Fleiß macht mir Kummer.“ (B. Brecht, Über die Kopfarbeiter)

Auf zwei Ebenen wird derzeit über das „geistige Eigentum“ gestritten: Erstens auf der höchsten Ebene der Staatenkonkurrenz: Die Weltwirtschaftsmächte USA, Kanada und Europa haben sich zusammengetan und mit ACTA einen Vertrag auf den Weg gebracht, mit dem sie ihrem Anspruch auf Geltung von Eigentumsrechten an „immateriellen Gütern“ grenzüberschreitend weltweit Durchschlagskraft verleihen wollen. Die Staatenlenker machen dabei gar kein großes Geheimnis daraus, was das Ziel aller staatlichen Regelungen in der Sphäre des geistigen Eigentums ist. Z. B. „betont die EU-Kommission die besondere Bedeutung des ACTA-Handelsabkommens für die ‚wissensbasierten‘ europäischen Volkswirtschaften, da die Wettbewerbsfähigkeit Europas nur dann aufrecht erhalten werden könne, wenn die EU sich ‚auf Innovation, Kreativität, Qualität und Markenexklusivität verlassen kann, welche zu unseren wichtigsten Wettbewerbsvorteilen auf dem Weltmarkt zählen, welche allesamt unter den Schutz
der Rechte des geistigen Eigentums fallen‘“. Ein recht klares Wort: Wissen dient in „unseren“ Volkswirtschaften der Konkurrenz gegen andere Volkswirtschaften oder taugt nix. (mehr…)