Archiv für Dezember 2018

Finanzkrise Runde zwei: Wenn Staaten ihren Kredit verlieren …

| Veranstaltung im AWO-Café Erding (Münchner Straße 17) am Montag, 12. Juli (Ersatztermin für 5. Juli), 20 Uhr
Referat und Diskussion |

Ein besonderer Fall von „Undankbarkeit“? Die kapitalistischen Staaten haben nach dem Zusammenbruch der Finanzmärkte 2008 mit immensen Summen dafür gesorgt, dass die Banken wieder beginnen konnten, sich ihre Schulden gegenseitig zu glauben. Knapp eineinhalb Jahre später zweifeln genau die gleichen Finanzmärkte – auf gewinnbringende Weise natürlich –, ob sie diese gigantische Rettungsaktion den Staaten überhaupt zutrauen.

Erstes Opfer – fast ein bisschen ungerecht – Griechenland, das zwar vergleichsweise wenig für Rettungspakete ausgegeben hat, das aber dank Unterwerfung unter die EU-Spielregeln zum freien Handel u.a. fast alle eigene Industrie verloren hat; und bei dem folglich das Verhältnis zu erwartendes Wachstum/Verschuldung der sachlichen Prüfung durch Rating-Agenturen am wenigsten standhält. Folgerichtig wurden unsereinem die erfolglosen „Schummel-Griechen“ sofort als das faulste Volk vorgestellt, das wir unter den uns befreundeten Völkern überhaupt kennen …

Seitdem ist allerhand passiert und die Ideologien über betrügerische, faule Griechen und durchgeknallte Rating-Agenturen sind reichlich blamiert. Mittlerweile steht mindestens die Glaubwürdigkeit und damit Zukunft des Euro selbst auf dem Spiel. Die europäischen Staatsschulden, jahrzehntelang Bedingung des Wachstums, sollen plötzlich „schlecht“ sein. Weil „wir über unsere Verhältnisse gelebt haben …“

Es ist beeindruckend, wie die deutsche Regierung von ihrem Problem – das gegenseitige Stützen und Bestätigen der privaten und staatlichen Kreditwürdigkeit funktioniert nicht mehr! – zielstrebig zu einer weiteren Radikalisierung der Verarmung findet. Genau am unteren Ende der sozialen Skala wurde nämlich „über die Verhältnisse gelebt“, merkt jede/r, wenn er sich das jüngste „Sparpaket“ anschaut.

Folgende Fragen werden u.a. behandelt:

  • Warum machen Staaten überhaupt Schulden und brauchen das auch?
  • Was sagt es über den Widerspruch des Euro aus, wenn deutsche Erfolge immer ein wenig die Wachstumsbedingungen europäischer Partner-Konkurrenten schädigen?
  • Warum wird aktuell so streng zwischen guten und schlechten Schulden unterschieden und auf einmal „intelligentes“ Sparen befürwortet?
  • In welchem Verhältnis stehen Einsparungen von ein paar Dutzend Milliarden eigentlich zur Stützung von Spekulationen, bei denen es um die Gefahr von Billionen-Ausfällen geht?