Archiv der Kategorie 'Texte'

Fortgesetzte Misshandlung

Das einzige Problem für Schüler in Deutschland: lüsterne und brutale Priester und Pädagogen |

Georg Ratzinger, der Bruder von Papst Benedikt XVI., hat mitten im Geschrei um die öffentliche Wahrnehmung zahlloser Fälle von Missbrauch und Misshandlung in kirchlichen Institutionen, für einen speziellen Aufreger gesorgt: Der langjährige Leiter der Regensburger Domspatzen räumte ein, während der Proben mit dem weltberühmten Knabenchor mit Ohrfeigen operiert zu haben. Er distanzierte sich jedoch vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte davon und betonte, er sei „innerlich erleichtert“ gewesen, als der Gesetzgeber 1980 körperliche Züchtigungen im Schulbereich ganz verboten habe. Er habe sich „striktissime“ an die neue Rechtslage gehalten.

Diese Reflexion wurde Ratzinger und seinem Milieu als höhere Stufe der Heuchelei ausgelegt. Ein frommer Mensch habe die Prügel-Praxis nicht ohne Druck des Gesetzgebers aufgeben können (?), zweifelte das „Neue Deutschland“ höhnisch und stellvertretend für alle, die die Schulreformen der 70er und 80er Jahre in Westdeutschland für einen – wenn auch späten – Fortschritt halten. (mehr…)

Gerechtes und ungerechtes Hartz IV

Vom Hartz-IV-Regelsatz leben, das möchte niemand, es sei denn er ist dazu gezwungen, davon leben zu müssen. Das Schicksal, sich am Rand des Existenzminimums durchzuschlagen, hat sich auch keiner ganz freiwillig ausgesucht. Dass 6,7 Millionen Menschen in Deutschland, das sich seines Wohlstands und seines nationalen Reichtums rühmt, in dieser von oben verordneten Armut leben, ist ein Skandal.

Stattdessen aber wird ein ganz anderer Skandal von Politik und Öffentlichkeit breitgetreten. Lauter Drückeberger und dekadente Luxusfiguren liegen dem armen Staat auf der Tasche – nach den Worten eines Westerwelle, dessen gesellschaftliche Leistung darin besteht, anderen vorzuschreiben, mit wie wenig Geld sie im Leben auskommen müssen. Da wird gehetzt, der gesellschaftliche Bodensatz lebe auf Kosten des Steuerzahlers, nähme ihm täglich in Form von Transferleistungen Geld weg, so als hätten Herr und Frau Steuerzahler mehr Netto vom Brutto in der Tasche, wenn ein Hartz-IV-Empfänger zehn Euro weniger bekäme. (mehr…)

Haltet die Betriebsräte in Ehren!

Bald ist es ein Jahr her, dass Frau Schaeffler ihren roten Schal aus dem großen Schrank holte, um sich vor dem Personal, das sich mit den Berechnungen der Konzernchefin solidarisch erklärte, unter Tränen in den Winter zu stellen. Auch in der Frankfurter IG-Metall-Zentrale soll sie so aufgetreten sein. Es waren und sind eben Krisenzeiten, und die verlangen allen Seiten ihren Beitrag ab. Dass die wirklich zählbaren Beiträge von den Belegschaften zu kommen haben, und dass diese das auch völlig in Ordnung finden, dafür wirkten und bürgten im vergangenen Jahr sehr lautstark führende Betriebsräte, manche sogar gleich als „Gesamtbetriebsratschefs“. Trotzdem sind diese vom Arbeitsvolk ausgewählten Funktionäre des Standorts Deutschland offenbar notorisch Anfeindungen ausgesetzt. Das hat die Jury für das „Unwort des Jahres 2009″ Mitte Januar zum Anlass genommen, mit der sprachmoralischen Verurteilung des Begriffs „betriebsratsverseucht“ eine Lanze für die Mitarbeitervertretungen zu brechen. (mehr…)

Haiti: Herrschen und helfen

In den Trümmern von Port-au-Prince geht ein altbekanntes Gespenst um. Dessen Erscheinen hatte auch jedermann sehnlichst erwartet, nachdem ein Erdbeben am vergangenen Dienstag aus Haiti, dem „ärmsten Land der westlichen Hemisphäre“, das allerärmste Land der westlichen Hemisphäre gemacht hat. Das Gespenst ist die „Weltgemeinschaft“. Diese wird natürlich auch im Fall Haitis von den USA angeführt. Der Umstand, dass die Vereinigten Staaten erst mal 11.000 Soldaten in die desolate Inselrepublik schicken, zeigt gut, dass es auch im zerstörten Port-au-Prince zunächst um Sicherung geht. Dass diese Sicherung aber nichts mit der möglichst effizienten Verteilung von Lebensmitteln oder sonstiger Hilfe zu tun hat, hört man aus den Klagen der Staaten heraus, die im Gefolge der USA in Haiti antreten. Frankreich, Brasilien und Deutschland leiden bereits lautstark darunter, dass ihr Aufwand vor Ort unter Ami-Dach und -Kommando stattzufinden hat. Was öffentlich unter dem Titel „möglichst wirkungsvolle Hilfe“ gefasst wird, ist also nichts als ein stinknormaler imperialistischer Konkurrenzfall. (mehr…)

„Politikversagen“ beim Klimawandel?

Vor mittlerweile schon wieder rund drei Wochen war es gleich mehrere Tage lang »fünf vor zwölf«. In allen Teilen der deutschen Öffentlichkeit – egal, wo sie sich selbst sonst ideologisch verorten –, hat sich zum Kopenhagener Klimagipfel eine sehr einheitliche Sprachregelung verfestigt: In bezug auf das Treffen in der dänischen Hauptstadt ist von einem »Scheitern« bzw. » (Politik-)Versagen« die Rede. Die »Weltgemeinschaft« sei ihrer »Verantwortung« nicht gerecht geworden.

Von denen, die diese Einschätzung für richtig halten, scheint es niemanden stutzig zu machen, daß sie von ansonsten so auf gegenseitige Abgrenzung bedachten Körperschaften wie der Bundesregierung und der bewegten Linken, dem Bundesverband der Deutschen Industrie sowie ATTAC und Greenpeace, Grünen, SPD usw. geteilt wird. (mehr…)

China– Ein Lehrstück

Buchankündigung

Renate Dillmann: China– Ein Lehrstück
cover
Alter und neuer Imperialismus
Sozialistischer Gegenentwurf und seine Fehler
Geburt einer kapitalistischen Gesellschaft
Aufstieg einer neuen Großmacht
400 Seiten (September 2009)
EUR 22.80
ISBN 978-3-89965-380-9

Verlagsseite

Zu: Anti-NATO-Jubiläums-Proteste

„Nein zum Krieg! Nein zur NATO!“ – Und ein Ja zum demokratischen Staat?
Wie soll das denn zusammenpassen?!

Die Nato feiert sich selbst – und ihr könnt das Geburtstagskind nicht leiden? Kein Wunder: Dieser Verein steht für Krieg, Folter und globale Militarisierung, wie es ihm euer Demo-Aufruf vorhält.

Bloß: Wenn ihr dieses Kriegsbündnis zum furchtbaren Herrn der Welt ausruft, der weltweit Kriege führt, für globales Elend sorgt, für die Verschleuderung von Ressourcen, Sozialabbau, die Brutalisierung der Gesellschaft und die Aushöhlung ehrenwerter Grundgesetze verantwortlich ist – tut ihr da dem feinen Nordatlantikpakt nicht ein wenig zu viel Ehre an? (mehr…)

Zu den Krisen-Demos am 28. März

Ihr wollt nicht für die Krisen des Kapitals zahlen? – dann lasst es doch!

Tatsächlich bezahlt ihr längst! Und die Demonstrationsaufrufe benennen das auch: Wenn die Märkte einbrechen, wenn in Industrie und Handel die Geschäfte schrumpfen, dann wenden die Unternehmen Schaden von ihren Bilanzen ab, indem sie ihn an ihre Arbeitskräfte weitergeben: Sie entlassen, verordnen Kurzarbeit, senken Löhne. Sie passen ihre Kosten an die verminderten Geschäftsgelegenheiten an und verteidigen ihre Gewinne. An dieser Front findet der Kampf darum statt, wer in welchem Maß dafür Opfer zu bringen hat, dass das Wachstum wieder in Gang kommt und die ganze kapitalistische Scheiße von vorne losgeht. Wer sich die Rolle als flexibler Kostenfaktor nicht mehr gefallen lassen will; wer es satt hat, in Zeiten der Konjunktur mit flexibler Arbeitsbereitschaft für das Wachstum der Profite bereit zu stehen und in der Phase der Schrumpfung die Firmenbilanzen durch Lohnverzicht zu sanieren, der kommt um eine Kündigung seiner Rolle als Ware Arbeitskraft nicht herum. Die Aufrufe zu dieser Demonstration schimpfen kräftig auf den Kapitalismus und fordern „ein anderes Wirtschaftssystem, das Mensch und Natur dient“ – aber den Kampf um die Abschaffung des Kapitals, den halten sie nicht für nötig. (mehr…)

Woher kommt und wie geht Rassismus?

Weil uns über Internet-Suchmaschinen regelmäßíg Interessenten erreichen, die nach Argumenten zur Entstehung von Rassismus forschen, verweisen wir unter >>> diesem Link auf eine Broschüre < << , in der der Zusammenhang von Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und demokratischem Staatsbürgerbewusstsein im Allgemeinen sowie der Rassenwahn der Nazis im Besonderen gut und kompakt erklärt sind.

für die bots

Wie kam es zu Rassismus
Woher kommt Rassismus
Gründe für Rassismus
Ursprung von Rassismus
Rassismus überall

Co-Referate und Diskussion

Termin: Freitag, 3. April 2009, 20 Uhr
Ort: Jugendzentrum Dorfen
Jahnstraße 14, 84405 Dorfen

Wenn Menschen zu Aufmärschen der Neonazis in Dorfen „Nein“ sagen oder „Wehret den Anfängen“, setzen sie sich für ein überall anerkanntes und von höchsten Stellen belobigtes Anliegen ein. Und gerade weil dieses Anliegen in der deutschen Öffentlichkeit so unbestritten und moralisch anerkannt ist, treten in Dorfen, zuletzt häufiger in Gräfenberg oder anderswo, alle Anständigen gegen eine Schädigung des Ansehens einer Stadt durch „Auswüchse“ oder „Extremismus“ an, wenn die Braunen kommen.

Als Kritik am „Rassismus“ taugt das nicht. Da müsste man nämlich fragen: Wovon sind die Taten und Parolen der Neonazis „Auswüchse“ oder „Extreme“? Wie kommt es, dass es sie und ihre Positionen überhaupt gibt in einer politischen Umgebung, die ihnen so ablehnend und feindlich gegenüber steht? Was ist da der „Anfang“ von was, dem da gewehrt werden soll? (mehr…)

Debatte um Steinbach und Vertreibungs-Gedenkstätte

Von Revanche weit und breit nichts zu sehen

Bloß weil in der Demokratie über grundlegende Fragen der nationalen Außenpolitik nicht abgestimmt wird, ist es nicht so, daß sie nicht öffentlich diskutiert würden. Interessant ist, wie und nach welchen Gesichtspunkten sie verhandelt werden. Was in diesen Besprechungen in Talkshow, Feuilleton und Kundgebung an den jeweiligen Anliegen in Frage gestellt wird, weist immer genau darauf hin, was andererseits als selbstverständlich und unbestreitbar zu gelten hat.

In der Debatte um die Ende 2008 vom Bundestag abgesegneten Stiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ ist dem demokratischen Publikum in den vergangenen Wochen die Beschäftigung mit der Frage angeboten worden, ob es staatspolitisch vernünftig, gerecht und angemessen ist, daß Vertriebenen-Chefin Erika Steinbach entgegen entschiedener Vorbehalte Polens dem Stiftungsrat angehören sollte. Große Teile von Steinbachs Union und die um das deutsche Außenbild besorgte Journaille konterten diese Diskussionen mit einer selbstkritischen Erörterung, ob die nationalen Institutionen, insbesondere die Kanzlerin, der Person Steinbachs ausreichend Schutz gegen auswärtige und heimische Angriffe angedeihen ließen. (mehr…)